Aktienmärkte kurzfristig noch nicht über dem Berg

Nachdem die Aktienmärkte in der ersten Augusthälfte eine Menge schlechter Nachrichten zu verkraften hatten, ging der DAX bis Mitte August auf ein Niveau von 11.266 DAX-Punkten in die Knie. Jetzt notiert er wieder Einiges höher und die Frage stellt sich, ob es das schon war, oder ob der September ebenfalls seinem schlechten Ruf gerecht wird.

Saisonal betrachtet steigen die Aktienmärkte im statistischen Schnitt erst wieder ab Ende September/Anfang Oktober. Und bei genauerer Betrachtung in der Bewältigung der Probleme weltweit hat sich bisher eigentlich noch nicht viel getan. Vor allem die Konjunktursorgen sind weiterhin präsent. Vor allem einer der besten Konjunkturfrühindikator der USA, der ECRI-Index, notiert nun wieder auf dem Niveau von Anfang Januar. Auch die inverse Zinsstruktur zeigt an, dass die Rendite langfristiger Staatsanleihen unter der der kurzfristigen Staatsanleihen notieren. In den USA z.B. notiert die Zinsspanne 10  Jahre minus 3 Monate Anfang September bei negativen -0,41 Punkten und damit in der Nähe eines Jahrestiefs. Und die Zinsspanne 10 Jahre minus 2 Jahre liegt praktisch auf der Nulllinie. In den vergangenen 50 Jahren zeigte solch eine Zinskonstellation stets eine Rezession an, teilweise mit einer Verzögerung von 1 Jahr. Kein Wunder also, dass auch Trump massiv auf eine stärkere Zinssenkung pocht, und dass das Wort “Rezession“ unter Google inzwischen ebenso so oft angeklickt wird, wie 2008. Gleichzeitig enttäuschen die jüngsten Daten, wie der ISM Index für das verarbeitende Gewerbe oder das US Konsumentenvertrauen.

Es gibt aber auch Lichtblicke; so ist aktuell positiv zu vermelden, dass Ministerpräsident Johnson vom britischen Unterhaus in politische Ketten gelegt wurde. Ein harter Brexit erscheint damit weniger wahrscheinlich. Und auch Italien hat sich zumindest durch die neue Regierung Zeit erkauft. Verhaltenspsychologisch betrachtet ist die Stimmung der Anleger schon länger eher gedrückt, so dass mit zu größeren Rückgängen an den Aktienmärkten nicht mehr zu rechnen ist. Eher noch mit kleineren Rücksetzern im Verlaufe des September.

Ganz grundsätzlich dürfte aber vor allem der Rentenmarkt mittel- bis langfristig eine Stabilisierung des Aktienmarktes herbeiführen. Denn die Zinsen für Bundesanleihen liegen bis zu einer Laufzeit von 30 Jahren im negativen Bereich. Der Anleihenmarkt scheidet somit als Generator von Stabilität und Ertrag auf lange Sicht aus. Es fehlt also die Anlagealternative. Zudem führt das niedrige Zinsniveau zu einer massiven Kostenentlastung bei vielen Unternehmen. Sollte die EZB zudem ihre Zinspolitik ausweiten und den Einlagenzins weiter, z.B. auf -0,6% absenken, so werden immer mehr Banken diesen Nachteil an ihre Kunden weitergeben (müssen). Der Aktienmarkt würde davon noch lange Stück für Stück profitieren können.      Und dies ist auch der Grund dafür, dass wir von einem positiven Verlauf der Aktienmärkte im vierten Quartal ausgehen. Eine Bodenbildung im konjunkturellen Bereich, einhergehend mit einer positiven Saisonalität und steigendem Druck im Zinsbereich könnte der Boden für wieder nachhaltig steigende Aktienkurse sein.

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