Aufwärtstrend (noch) intakt

Die Aktienmärkte sind weiterhin (stark) überkauft – vor allem unser deutscher DAX. Da die US-Märkte weiterhin den Takt für die Börsen weltweit vorgeben werden, ist eine Analyse des S&P 500 – Index interessant. Auch der US-Markt hat seit November 2016 um 15% zugelegt, was für diese kurze Zeit übertrieben erscheint. Inzwischen aber lässt im marktbreiten S&P 500 - Index die Dynamik seit ca. zwei Monaten nach und die Aktienkurse scheitern seit Ende April immer wieder am Hoch aus dem März 2017. Lediglich die amerikanischen Technologieaktien eilen von Rekord zu Rekord und haben durch ihre große Gewichtung im S&P 500 – Index diesen mit hoch gerissen.

Wären die 500 Werte gleich gewichtet, würde der S&P 500 – Index seit vier Monaten stagnieren. Eine Abkühlung täte daher gut. Wann diese Abkühlung uns jedoch ereilen und wie groß diese ausfallen wird, kann nicht seriös prognostiziert werden. Ein charttechnisch negatives sogenanntes Doppeltop ist aktuell im Rahmen des S&P 500 – Index ebenso möglich, wie die Ausbildung einer charttechnisch positiven sogenannten Tasse-Henkel-Formation. Und so handeln wir – da wir nun mal keine Glaskugel haben – u.a. nach dem, was wir in den Charts sehen; und dies ist ein immer noch aufwärtsgerichteter intakter Trend, auch wenn eine Überwindung der 2.400 Punktemarke im S&P 500 – Index ein positives Gesamtszenario stark unterstützen würde.

Weltweit betrachtet sind auch der marktbreite europäische Stoxx Europe 600 – Index und der japanische Nikkei-Index inzwischen in handfeste charttechnische Widerstände hinein gelaufen. Das kurzfristige Potential bleibt damit begrenzt.

Was das Ausmaß möglicher Korrekturen anbetrifft, so muss man z.B. dem DAX zu Gute halten, dass er nur mit einem moderaten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von um die 14 für die nächsten 12 Monate bewertet wird. Der S&P 500 – Index allerdings schon mit 18. Während der Dotcom-Blase lag der DAX hingegen bei einem KGV von weit über 30. Und vergessen wir nicht: Die relativ hohe Bewertung relativiert sich wieder vor dem Hintergrund weiterhin extrem niedriger Zinsen.
 
Ökonomisch betrachtet sieht die konjunkturelle Situation positiv aus. Denn bekanntlich steht der ifo-Index aufgrund der positiven Gewinnentwicklung deutscher Unternehmen positiv da und auch weltweit betrachtet kann man von einem recht stabilen Wachstum ausgehen. Die Gewinne in Europa steigen immerhin in diesem Jahr um ca. 20%, die der USA um ca. 12% und die von China um ca. 30%.

Vergessen sollten wir damit vor allem auch nicht die Schwellenländer. Schon heute erbringen sie 30% der globalen Wirtschaftsleistung und das BIP wird dieses Jahr um 4,5% zulegen. In den Industrienationen übrigens um 1,9%. Zudem sind die Staatshaushalte viel geringer verschuldet als in den Industrienationen und die Aktien sind weltweit am günstigsten bewertet. Auch von ihren ehemaligen Höchstständen sind die Aktienkurse der Schwellenländer noch weit entfernt.  

Die große Frage der nächsten Wochen wird allerdings sein, ob die amerikanische Notenbank, Fed, sich trauen wird, die Zinsen im Juni anzuheben. Und angesichts charttechnisch angespannter Situationen weltweit und den zurückgehenden Börsen-Umsätzen im Sommer könnte dieser Punkt die Aktienkurse im Juni entsprechend stark bewegen. Das wird auf jeden Fall spannend.

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