Beginnender Anleihen-Crash voraus?

Weiterhin rechnen wir noch in diesem Monat mit einer Korrektur (kein Crash) an den Aktienmärkten. Neben den Parlamentswahlen in den Niederlanden ist das größte Event am Mittwoch dieser Woche die US-Notenbanksitzung mit der anschließenden Verlautbarung nach der Fed-Sitzung. Die meisten Marktteilnehmer rechnen jedoch schon mit einer weiteren Zinsanhebung, so dass eine nachhaltige negative Reaktion auf eine potentielle Zinserhöhung eher unwahrscheinlich ist.

Zudem sind unter Berücksichtigung der Inflationsraten die Realzinsen weiterhin sehr niedrig, so dass die Aktienmärkte vorläufig gelassen reagieren dürften. Abzulesen ist die Erwartung einer Zinsanhebung von Seiten der Marktteilnehmer an den Fed-Fund-Futures, die eine 91%ige Wahrscheinlichkeit für eine Zinsanhebung anzeigen. Die Rendite der 10-jährigen US-Anleihen ist entsprechend am Freitag mit 2,58% auf den höchsten Stand seit August 2014 gestiegen; lediglich im November letzten Jahres standen sie kurzzeitig minimal darüber, nämlich auf 2,615%.

Die Gefahr für Gewinnmitnahmen im US-Rentenbereich wird damit tendenziell immer größer. Laut dem “Renten-Guru“ und Investmenturgestein Bill Gross beginnt nach einem Bruch der 2,6%-Marke ein lang anhaltender Bärenmarkt bei Anleihen. Und laut der Investmentgesellschaft Janus Capital ist diese Marke für den weiteren Verlauf der Finanzmärkte wesentlich wichtiger, als die 20.000 Punkte-Marke beim Dow Jones oder die 60 Dollar-Marke beim Ölpreis. Wir alle wissen schließlich, dass es die größte in der Finanzgeschichte je statt gefundene Überbewertung nicht im Rahmen der Aktienmärkte, sondern bei (Staats)Anleihen und einigen Industrieanleihen gibt. So lange wie der Rentenbullenmarkt wird der Bärenmarkt aber wohl nicht dauern; schließlich hält der Renten-Bullenmarkt jetzt schon seit 35 Jahren an! Anlegern können wir jedenfalls nur raten, sich ihre Investments im Rentenbereich oder im Bereich gemischter Fonds genau anzuschauen und auf schlummernde Risiken hin abzuklopfen.
Bei uns in Deutschland sind die Renditen der 10jährigen Staatsanleihen letzte Woche ebenfalls deutlich auf jetzt 0,48% gestiegen - auch wenn bei uns in Europa von einer weiterhin lockeren Geldpolitik der EZB auszugehen ist. Der EZB-Zinsentscheid am vergangenen Donnerstag hat dies auch nochmals bestätigt. Doch auch in den USA ist es fraglich, ob es zu den bereits angekündigten drei Zinsanhebungen in diesem Jahr kommen wird. Der weitere US-Konjunkturverlauf ist hierzu einfach zu ungewiss und die Inflationsrate könnte bereits zur Jahresmitte wieder abflauen. Zudem steht weiterhin die bisher unbeantwortete Frage im Raum, wie Staaten angesichts höherer Zinsen ihre riesigen Schuldenberge bedienen wollen. Die Notenbanken müssen also die Zinsen auf einem erträglichen Niveau halten, bei dem die Bedienung der Schulden durch die Staaten nicht in Frage gestellt wird.

Rein charttechnisch sind die Aufwärtstrends an den Aktienmärkten weiterhin in Takt. Der amerikanische S&P 500 Index ist aber jetzt eingeklemmt zwischen dem Allzeithoch bei 2.400 Punkten und einer kleineren Unterstützung bei ca. 2.280 Punkten. Erst ein Ausbruch über oder unter diese beiden Marken kann über den weiteren Verlauf der Aktienmärkte Auskunft geben.
Wir favorisieren aktuell zwar eher einen Bruch der Unterstützungslinie, lassen uns aber - da auch wir keine Glaskugel haben - letztendlich vom Markt leiten – frei nach dem Motto “Der Markt hat immer Recht“.

Blog Vermögensverwaltung