Bodenbildung im DAX jetzt recht wahrscheinlich

Die neuerlichen Sommertiefs im DAX, die den deutschen Leitindex um ca. -6% seit dem Juni-Hoch zurück auf das Niveau seiner ehemaligen April-Tiefs geführt hat, könnten die Abwärtstendenzen des DAX jetzt zum Erliegen bringen. Schließlich befinden wir uns nun in der Nähe mehrerer charttechnisch wichtiger Unterstützungslinien. Eine von untergeordneter Bedeutung liegt bei ca. 12.120 DAX-Punkten, aber auch markantere Unterstützungen bei ca. 12.080 (letzte bereits geschlossen April-Notierungslücke (“Gap“)) und bei 11.850 bis 11.920 DAX-Punkten liegen nun in Reichweite. Dort verläuft im Übrigen aktuell auch die nach wie vor ansteigende 200-Tagelinie, an der Schnäppchenjäger oft auf eine Gegenbewegung wetten.


Auch aus verhaltenspsychologischer, also sentimenttechnischer Sicht betrachtet, hat der Sentiment-Experte, sentix, jetzt eine größere Einstiegschance in europäische und speziell deutsche Aktienwerte ermittelt. Die Umfragewerte lassen nämlich aktuell eingetrübte Erwartungen der Anleger erkennen, während hingegen vor allem die professionellen Anleger strategisch große Chancen im Bereich des DAX auf Sicht der nächsten Monate sehen. Eine sentimenttechnische Konstellation, die in der Vergangenheit gut für vor allem positive Überraschungen war. Rein rechnerisch liegt der sogenannte “Time Differential Index“ von sentix für deutsche Aktien jetzt noch tiefer als Ende Juni 2016. Und da lag damals bekanntlich ein markantes Tief im DAX vor.

Bisher haben die Aktienmärkte in Europa eher enttäuscht. Und Anleger aus dem EURO-Raum haben bisher in 2017 sogar Verluste mit amerikanischen Aktien eingefahren. Schließlich notiert der marktbreite US-Index “S&P 500“ für das laufende Jahr aufgrund der Dollarschwäche auf Basis fast aller anderen Währungen weltweit im Minus. Man bedenke nur, dass der Euro noch im Dezember 2016 bei ca. 1,04 zum US-$ stand und jetzt bei ca. 1,17 notiert. Das ist einer der höchsten Werte seit Januar 2015. Grund für den schwachen Dollar dürfte das doch nicht so positive Abschneiden der US-Konjunktur sein. Das schwache Wachstum im ersten Quartal mit 1,4% wurde als Ausrutscher abgetan und man hatte dann mit einem Wachstum von 4% für das zweite Quartal gerechnet. Eingetroffen sein dürften jedoch nur ca. 2,2% und viele Schätzungen gehen jetzt schon von einer erneuten Eintrübung ab dem vierten Quartal aus. Die Prognosen für Deutschland, die gesamte Euro-Zone, Mittel- und Osteuropa, Japan, China und die asiatische Schwellenländer hingegen wurden jüngst durch den IWF angehoben. Das belastet natürlich den Dollar, führt aber wohl auch dazu, dass doch nicht mit den noch ursprünglich anvisierten drei Zinserhöhungen in 2017 zu rechnen ist. Eine durch höhere Zinsen ausgelöste Rezession dürfte also eher nicht anstehen. Und dies wiederum ist positiv für die globalen Finanzmärkte auf Sicht des Gesamtjahres 2017 zu interpretieren.

Was den Euro-Raum anbetrifft, so rechnen wir frühestens für 2019 mit wieder steigenden Leit-Zinsen. Höhere Zinsen würden nämlich aktuell südeuropäische Staaten, Unternehmen und Privatpersonen schnell an die Grenze der Finanzierbarkeit drängen. Man bedenke nur, dass Griechenland, Italien und Portugal mit zum Teil deutlich über 100% der Wirtschaftsleistung bei ihren Gläubigern in der Kreide stehen. Und eine Staatspleite wird Mario Draghi wohl kaum riskieren wollen – zumal ca. 1 Billion Euro an faulen Krediten in den Büchern europäischer Banken stehen.

Es liegt also ein Gesamtszenario vor, dass eher positiv für den weiteren übergeordneten Verlauf der Aktienmärkte in 2017 zu interpretieren ist – auch wenn die nächsten Sommerwochen zunächst noch eher holprig sein dürften. Lassen Sie sich aber nicht aus der Ruhe bringen.

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