Börse aktuell: Leitgedanken zum Marktgeschehen

Staatsbankrott in Argentinien? Zum dritten Mal in dem noch jungen Jahrtausend droht ein Zahlungsausfall in Argentinien und damit gegebenenfalls der Staatsbankrott.

Derzeit besteht eine Fristverlängerung für Verhandlungen mit Gläubigern bis zum 2. Juni. Die Hauptgläubiger sind der IWF sowie ein Konsortium, das unter anderem von den Finanzinstituten Blackrock, Ashmore und Fidelity angeführt wird. Ein Zahlungsausfall könnte zu Verwerfungen an den Finanzmärkten führen.

Spannungen zwischen USA und China: Die Vereinigten Staaten und China sind wieder einmal auf Konfrontationskurs, die Spannungen nehmen rasant zu. Die verbalen Attacken des US-Präsidenten im Zusammenhang mit der Corona-Krise und der Lage in Hong-Kong gießen unnötig Öl ins Feuer. China warnt vor einem neuen kalten Krieg.

Arbeitslosigkeit in den USA:
Die Arbeitslosenquote in den USA ist bereits jetzt schon höher als in der „großen Rezession“ 2008/2009. Auch wenn sie derzeit langsamer steigt, werden noch höhere Quoten erwartet. Anfang Juni werden die Zahlen für Mai veröffentlicht. Es wird befürchtet, dass die Arbeitslosenzahlen ähnliche Dimensionen wie in der „großen Depression“ 1929 annehmen könnten. Damals lag die Spitze bei fast 24%.

Exorbitantes KGV im Nasdaq: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis der technik-lastigen Nasdaq hat innerhalb kürzester Zeit neue Extremwerte erreicht. Zwischen März 2009 und Februar 2020 stieg das KGV von 9 auf 25. Ab Februar fiel es binnen eines Monats auf 18 zurück, um bis dato auf über 27 anzusteigen. In der Nasdaq sind einige Unternehmen vertreten, die von der Corona-Krise profitieren, besonders der Online Handel und Bezahldienste. Dennoch, dieser extreme Anstieg in so kurzer Zeit mahnt zur Vorsicht.

Rezession in Schweden:
Obwohl Schweden einen anderen Weg ging und keinen landesweiten Lockdown verordnet hat, ist die Wirtschaft heftig eingebrochen. Der Grund dafür ist die relativ hohe Exportabhängigkeit des Landes. Das Beispiel Schweden zeigt, dass Deutschland bisher alles weitgehend richtig gemacht hat, der Abschwung in der exportorientierten deutschen Wirtschaft wäre auch ohne Lockdown unvermeidbar gewesen.

Corona in Deutschland: Die Infektionszahlen in Deutschland sind deutlich rückläufig. Dieses Bild reflektiert aber noch die Situation vor den Lockerungsmaßnahmen. Erst Anfang Juni wird man sehen, ob die Lockerungsmaßnahmen zu steigenden Infektionszahlen führen und welche Konsequenzen das gegebenenfalls hat. Droht eine zweite Welle? Einen weiteren umfassenden Lockdown macht die Gesellschaft vermutlich nicht mit, dass zeigen auch die immer weiter um sich greifenden „Anti-Corona-Demonstrationen“.

EZB-Urteil: Trotz des negativen Urteils des Verfassungsgerichtes will die Europäische Zentralbank ihre Anleihekäufe unvermindert fortsetzen und gegebenenfalls auch noch weiter ausdehnen. Hinzu kommen die geplanten 500 Milliarden im Rahmen des europäischen Aufbaufonds. Der Schuldenexzess geht in die nächste Runde, die aktuelle Aufblähung der




Bilanzen der FED und der EZB sind in der Geschichte beispiellos. Dadurch entsteht allerdings auch Überschussliquidität, was für die Aktienmärkte gewöhnlich positiv ist. Man muss sich allerdings fragen, wie lange das Vertrauen in die Währungen hält. Die immer weiter fortschreitende Geldmengenausdehnung ist und bleibt ein Experiment mit ungewissem Ausgang.

Deflation/Inflation: Es ist zu bezweifeln, dass der private Konsum als eine zentrale Stütze der globalen Wirtschaft aufgrund der Lockerungsmaßnahmen in absehbarer Zeit überhaupt wieder in ausreichendem Maße anspringen kann. Eine Deflationsspirale könnte sich als Vorbote einer folgenden Inflation daher zunächst weiter ausdehnen, unterstützt von der historisch hohen Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten. Aktienmärkte mögen Deflation eher nicht, können sich aber langfristig vor der gegebenenfalls folgenden Inflation schützen.

Kreditausfälle: Das gesamte Ausmaß zu befürchtender Kreditausfälle ist zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nicht absehbar. Noch sind viele aufgrund vorhandener Rücklagen zahlungsfähig. Ob das so bleibt, wird sich erst in einigen Monaten zeigen. Umfangreiche Kreditausfälle können gegebenenfalls besonders Banken und Kreditkartenunternehmen belasten.

Volatilität bleibt hoch: Es muss weiterhin mit hohen Schwankungen und erheblichen Rückschlägen gerechnet werden. Aber das ist eher eine positive Nachricht, zumindest wenn man weiß wie man erhöhte Volatilität nutzen kann und sich mittels strategischer Absicherungsmaßnahmen vor Rückschlägen schützt.

Marktübersicht
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Performance wichtiger Indices seit Jahresbeginn (Stand 22.5.2020):
Europa:
DAX -14,32%, MDAX -13,15%, TecDax 2,43%, EuroStoxx 50 -20,98%, CAC 40 -24,45%
FTSE 100 -20,54%, IBEX 35 -28,48%, Mibtel -25,50%, SMI -7,43%
USA:
Dow Jones -14,27%, S&P500 -8,52%, Russell 2000 -19,00%, NASDAQ 7,80%
Asien:
NIKKEI225 -12,32%, Hong Kong 50 -19,01%, Hang Seng -18,58%


Resümee und Ausblick:

Negative Nachrichten verdichten sich, die Börse scheint dies aber nach wie vor nicht zu interessieren, sie steigt weiter. Die Frage ist, wie lange das noch dauern kann bis auch die Stimmung der Marktteilnehmer wieder umschwenkt.
Unser Zyklus-Struktur-Modell weißt in den nächsten Tagen einen Wendepunkt auf, der uns (nach der bisherigen Zwischenerholung) eine Korrektur im Juni anzeigt. Dies werden wir in unseren Strategien, welche nach diesem Modell gemanagt werden, umsetzten und dementsprechend die Netto-Aktienquote wieder reduzieren.
So konnten wir bisher die Zyklen der Märkte gut steuern und liegen mit der Zyklen-Strategie „Megatrend+Dividende“ bereits wieder mit +6,91% im Plus.

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