Eine Bodenbildung ist jetzt möglich

Seit Frühjahr 2016 kannten die Börsen nur die Richtung, nämlich nach oben – und dies unter äußerst geringen Schwankungen. In 2017 z.B. gab es an den US-Börsen keinen einzigen Tag mit einem Kursausschlag von mehr als 2%. Rückschläge von ca. 10% sind aber eigentlich in jedem Börsenjahr einzukalkulieren, das haben Anleger inzwischen vergessen.

Die Gefahr einer ruhigen Aufwärtsbewegung wie in 2017 ist die, dass sich die Anleger durch diese Ruhe an den Finanzmärkten leicht einlullen lassen. Nun aber befinden sich die Aktienmärkte urplötzlich im Panikmodus. Die Aktien-, Renten- und Rohstoffkurse haben aus einer der größten Spekulationseuphorie seit den 80er Jahren heraus technisch korrigiert und sind jetzt bereits kurzfristig überverkauft. Die Heftigkeit des Mini-Flash-Crashs ist auf das vorherige euphorische Sentiment-Extrem zurückzuführen; der Grund für die Korrektur liegt jedoch in den wieder aufkeimenden Inflations- und Zinsängsten bzw. der Angst vor einer strafferen Geldmarktpolitik weltweit. Der sehr schnelle Abverkauf und Verlust von ca. 10% war im Übrigen einer der schnellsten in der Börsengeschichte. Immerhin verlor der Dow Jones in gerade einmal 9 Handelstagen 10,4%.

 

Lehnt man sich jedoch zurück und betrachtet man sich die Wertentwicklung unserer hauseigenen Fonds im bisherigen Verlauf des Börsenjahres 2018, so wird man feststellen, dass sich diese nur ganz leicht im Minus oder ganz leicht im Plus befinden. Unter dem Strich ist also im bisherigen Börsenjahr 2018 nicht viel passiert, auch wenn es sich anders anfühlen mag.

 

Wie geht es aber nun weiter ?  

Die Aktienmärkte brauchen jetzt zunächst etwas Zeit, um eine Bodenbildung durchzuführen; die Wahrscheinlichkeit dafür, dass sich die Aktienmärkte bereits in den nächsten Tagen und Wochen wieder erholen, ist jetzt aber durchaus schon gegeben. Die Volatilitätsindikatoren beruhigen sich bereits (z.B. VIX) und der DAX z.B. hat zwischen 11.850 und 12.370 DAX-Punkten eine starke Unterstützungszone ausgebildet – diese Zone entspricht dem Hoch aus dem letzten Sommer 2017. Und in diesem Bereich dürfte sich wohl der Bodenbildungsprozess in den nächsten Tagen im DAX bewegen.

Betrachtet man sich rein statistisch den deutschen Aktienmarkt seit dem zweiten Weltkrieg, so wird man feststellen, dass die Aktienmärkte nach Einbrüchen wie aktuell im Schnitt nach einem Jahr bereits wieder ca. 15% höher standen. Ruhe zu bewahren ist also ebenfalls das Gebot der Stunde.  

 

Untersucht man die Ursachen größerer Crashs in der Vergangenheit, so waren diese bisher in den allermeisten Fällen konjunkturell bedingt. Eine Rezession steht jedoch in den nächsten Monaten nicht an - höchstens eine Wachstumsdelle im Sommer.  Vergleicht man den aktuellen Mini-Crash mit vergangenen Korrekturen, so ähnelt dieser (auch in seinem Ablauf) daher am ehesten der Korrektur von 1987. Damals fiel der Dow Jones an einem einzigen Tag, nämlich am 19. Oktober 1987, wie ein Stein um knapp 23%. Und damals war auch nicht die Konjunktur der Auslöser für die Korrekturen an den Finanz- bzw. Aktienmärkten, sondern die hohe Spekulationsbereitschaft im Vorfeld des Crashs sowie die Angst vor steigenden Zinsen. Es ist also gut möglich, dass sich die Aktienmärkte - ähnlich wie damals - relativ schnell wieder erholen. Für ausgedehntere Baissephasen wie 2000 bis 2002 oder 2008 fehlen auf jeden Fall bisher die Gründe.

 

Für die US-Notenbank, Fed, dürfte der Flashcrash ein Warnschuss gewesen sein. Eigentlich stünde die nächste Zinserhöhung schon im März an. Jetzt allerdings dürfte diese hinter verschlossenen Türen nochmals überdacht werden. Die amerikanische Zentralbank hat schließlich kein Interesse daran, eine Panik an den Finanzmärkten auszulösen. Auch die Fed weiß, dass eine längere und tiefere Korrektur an den Finanzmärkten auch die Realwirtschaft trifft.

   

Objektiv betrachtet sind die aktuell niedrigen Zinsniveaus eh kein Grund für ein mögliches Abwürgen des Wirtschaftswachstums. Auch Liquidität ist weiterhin genügend vorhanden. 1987 war dies anders. Damals stiegen die Zinsen in den USA auf 10%, nachdem sie noch in 1986 bei 7% lagen.  Auch die Geldmenge schrumpfte damals beträchtlich von 18% auf 3%. Man kann so durchaus Parallelen zu anderen Crashs herleiten. Die gesamte Situation passt aber eher selten. Dies ist übrigens auch der Grund dafür, dass wir mit unserem Regelwerk arbeiten und uns bei einer Korrektur stufenweise aus den Märkten verabschieden bzw. vice versa wieder hineintasten – unabhängig von den Gründen eines Einbruchs. Und so bleiben wir  auch in diesen volatilen Tagen unserer Anlagephilosophie treu und setzen unser Regelwerk diszipliniert um.

 

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