Es bleibt spannend

Während die US-Notenbank, Fed, bereits seit 2015 die Leitzinsen behutsam anhebt, verharrt die Europäische Zentralbank, EZB, mit ihrer Leitzinspolitik weiterhin an der Nulllinie. Übergeordnet betrachtet geht aber die mehr als 30-jährige Zinssenkungsperiode langsam zu Ende – auch in Europa.

Aufgrund der Euro-Problematik, einer immer noch schwächelnden Wirtschaft - vor allem in den südlichen Euro-Ländern - und riesigen Schuldenberge in den Bilanzen der Notenbanken weltweit, sind der EZB die Hände gebunden. Nicht zu verachten sind auch die Schuldenberge vor allem der Industriestaaten und vieler Zombie-Unternehmen, die nur aufgrund der niedrigen Zinsen überleben können. Das weiß die EZB und wird daher keinen Absturz der Konjunktur, einen Crash an den Aktienbörsen oder gar das Platzen anderer Vermögenspreisblasen riskieren (wollen). Nur zu gut weiß auch die EZB, dass die derzeit noch einigermaßen gut verlaufende Konjunktur in der Euro-Zone keinen normalen zyklischen Aufschwung darstellt, sondern durch die extreme Überstimulierung der Notenbanken weltweit mit rekordhoher Liquiditätszufuhr verursacht wurde. Sollte aber in den nächsten Monaten ein zyklischer Abschwung in der Euro-Zone stattfinden, müsste die EZB zu noch unkonventionelleren Maßnahmen und Mitteln greifen und evtl. sogar Aktienpakete und andere Anleihen aufkaufen.  Nur so ließe sich eine Rezession vermeiden. Was die Zinslandschaft anbetrifft hat die EZB ja bereits weitgehend ihr Pulver verschossen. Und so müssten bei einer erneut drohenden Krise auch die westlichen Staaten die bisherige Rolle der Notenbanken als letzter Retter in der Finanzkrise übernehmen. Mit großen Investitionen in die desolate Infrastruktur müsste dann die Wirtschaft angekurbelt werden oder es müssten dann nach amerikanischem Vorbild Steuerreformen durgesetzt werden. Die USA war ja auch diesbezüglich bereits Vorreiter. Denn jeder weiß, dass die Trump´sche Steuerreform bereits zu steigenden Gewinnen bei den US-Unternehmen geführt hat.

Mit Argusaugen wird die amerikanische Zentralbank, Fed, auch die weitere Entwicklung der Zinsstrukturkurve beobachten. Und diesbezüglich sollte die Zinsspanne zwischen den langfristigen und kurzfristigen Zinsen positiv bleiben. Immer, wenn die Zinsen der 10jährigen und 2-jährigen US-Staatsanleihen in der Vergangenheit negativ wurde, drohte nämlich in der Vergangenheit eine Rezession – zuletzt 2006 bis 2007.  Doch noch sind wir mit 50 Basispunkten Differenz ein gutes Stück von einer flachen oder gar inversen Zinsstruktur entfernt.

Belastend wirkt aktuell der stark steigende Ölpreis. Der Preis der Sorte WTI Crude ist jetzt um ca. 50% innerhalb von 12 Monaten gestiegen. Solch ein Anstieg kann durchaus Bremsspuren an den Aktienmärkten hinterlassen. Auch die ZEW-Konjunkturerwartungen könnten heute für Bewegung an den Aktienmärkten sorgen. Ein weiterer Rückgang ist zwar schon eingepreist, doch mit höheren Ausschlägen rechnet niemand – weder bei den Lageeinschätzungen noch bei den Erwartungswerten. Wir sind gespannt.

Blog Vermögensverwaltung