Jay Powell rudert zurück

Der amerikanische Notenbankpräsident, Jay Powell, gab Ende Februar bekannt, dass es bis auf weiteres keine Straffung der Geldpolitik geben braucht. Als Begründung führt er den Arbeitsmarkt bzw. die Partizipationrate an diesem an. Für uns kaum nachvollziehbar, denn bei einer Arbeitslosenquote in den USA von 4% müsste man doch davon ausgehen, dass dies zu steigenden Löhnen und damit zu steigender Inflation und somit zu steigenden Leitzinsen führen müsste.

Doch die Situation in den USA ist eine andere.  Im Gegensatz zu Deutschland sind die Sozialprogramme in den USA sehr dürftig. Arbeitssuchende melden sich nur dann als arbeitslos, wenn sie mit einer Vermittlung rechnen. 2008 sind jedoch viele aus dem Arbeitsmarkt ausgeschieden, die jetzt nicht mehr mit einer Vermittlung rechnen und auch nicht arbeitslos gemeldet sind. Die schön gerechneten 4% sind also kein Anzeichen für einen leer gefegten Arbeitsmarkt. Es gibt noch genügend Arbeitssuchende wie wiederum die Kennzahl “Partizipation am Arbeitsmarkt“ deutlich macht. Inflation aufgrund steigender Löhne ist also nicht in Sicht und so kann Powell wieder zurückrudern. Für die Aktienmärkte nach dem Motto “Don´t fight the Fed“ eine übergeordnet gute Nachricht.
Zusätzlich bekommt Powell jetzt auch Rückenwind von den sich nun verschlechternden US-Wirtschaftszahlen. Der Phily-Fed-Index weist aktuell den größten Rückgang seit August 2011 auf. Auch die Hausbaubeginne fallen wieder. Uns würde es somit nicht wundern, wenn in 2019 die Leitzinsen in den USA sogar wieder gesenkt werden würden. 

Was die Verfassung der Aktienmärkte anbetrifft, so rechnen wir durchaus mit einer Korrektur - nicht jedoch mit einem Bärenmarkt. Kurzfristig sind die Aktienmärkte überhitzt bzw. überkauft und stehen jetzt auch vor wichtigen charttechnischen Wiederständen. Beim S&P 500 – Index sind dies z.B. die 2.800 Kursmarke. Diese Wiederstände können nicht so einfach überwunden werden. Zu einem Einbruch muss dies aber nicht führen, auch bevorstehende quälende Seitwärtsphasen sind möglich. Was den DAX anbetrifft, so wird es erst gefährlich, wenn die 11.200 unterschritten werden. Dann ist nämlich der kurzfristige Aufwärtstrend in Gefahr. Doch dies bleibt abzuwarten.

Was die Aktienmärkte im Allgemeinen anbetrifft, so sind die Schwellenländer und hier besonders Asien unsere Favoriten in 2019. Geldpolitisch ist hier noch viel möglich und das Kurs-Gewinn-Verhältnis in China beträgt gerade mal 11 !. Mittelfristig sehen wir das geringste Potential in den USA. Die Bewertung der Aktienmärkte ist sehr hoch und die Staatsverschuldung ebenfalls. Kreativ werden die Europäer bei einer bevorstehenden Konjunkturabkühlung sein müssen. Die Zinsen sind nämlich immer noch im Keller, so dass dieses Pulver bereits verschossen ist. Bei einer Abkühlung müssten dann die Staaten, allen voran Deutschland, mit stützenden konjunkturellen Maßnahmen eingreifen. Vielleicht werden schon Bald Negativzinsen und Aktienaufkäufe durch die EZB Normalität werden. Eine politisch gewollte Abkehr vom Bargeld spricht schon jetzt dafür.

Übergeordnet betrachtet bleibt die Situation an den internationalen Aktienmärkten herausfordernd. Sollten sich die Aktienkurse in den nächsten Wochen jedoch zunehmend stabilisieren so wäre dann im Herbst durchaus mit einer größeren Korrekturen zu rechnen. Wir werden uns entsprechend opportunistisch und regelbasiert ausrichten.

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