Korrektur ist überfällig

Die Aktienmärkte sind inzwischen stark überkauft und haben kurzfristig nach oben hin übertrieben. Eine Korrektur, um Dampf abzulassen, wäre daher jetzt wünschenswert. Je später diese Abkühlung nämlich kommt, umso heftiger wird sie ausfallen.

Erste potentielle Auslöser für Korrekturen zeigen sich bereits, werden aber noch von der Trump-Euphorie überlagert. So zeigen die Aktienmärkte inzwischen strukturelle Schwächen auf, die für eine bald beginnende Korrektur (keinen Crash) sprechen: Kurzfristig nicht optimal ist z.B. die relativ euphorische Haltung der nordamerikanischen Fondsmanager. Dies zeigt der sogenannte Sentiment-Index für das Verhalten der amerikanischen Fondsmanager, NAAIM. Ein Sentiment-Index, der allerdings kurzfristigere “Gefühlsregungen“ anzeigt und nicht die übergeordnete Situation bewertet. Auch der Anteil der bullishen US-Börsenbriefschreiber, gemessen von Investors Intelligence, ist sehr hoch. Euphorische Werte also, die recht häufig für Korrekturen gut waren. Bedenklich hoch ist jetzt auch das Verbrauchervertrauen in den USA. Rein rechnerisch steht der Index jetzt bei 48 Punkten; ein Wert, der 2015 einige Wochen später eine Korrektur einläutete.
Die Marktbreite im amerikanischen Aktienmarkt kann aktuell ebenfalls nicht überzeugen. So steigen die größten 2000 US-Nebenwerte, im Russell 2000 zusammengefasst, seit Anfang Dezember nicht mehr so stark wie die größten 500 US-Titel des S&P 500 – Index. Und betrachtet man nur den Februar, so stiegen in diesem Monat nur noch die Standardwerte.
Speziell für den deutschen Markt kann man auch die Angst vor großen runden Zahlen anführen; im Falle des DAX ist dies die 12.000 Punkte-Marke. Solche runden Zahlen werden nicht einfach nachhaltig überrannt, sondern zunächst nur tageweise überschritten, um dann wieder darunter zu fallen.

Warum aber rechnen wir nicht mit einem größeren Crash? Ein für uns seit vielen Jahren wichtiger Indikator, um die übergeordnete Situation beurteilen zu können, ist der ifo-Geschäftsklimaindex. Im Rahmen dieses Konjunkturindex werden monatlich 7.000 Unternehmen nach ihrer Meinung zur wirtschaftlichen Situation befragt. Am vorletzten Mittwoch, dem 22. Februar, wurde der ifo-Index für Deutschland für den Monat Februar veröffentlicht und stieg von 109,9 auf 111,0 Punkte an. Der Index besteht aus zwei Komponenten. Dem Erwartungswert für die nächsten Monate bezüglich der weiteren konjunkturellen Entwicklung und die Beurteilung der aktuellen Lage. Wichtiger für den weiteren Verlauf der Aktienmärkte ist der Erwartungswert. Und auch dieser ist wieder angestiegen, nämlich von 103,2 auf 104,0 Zähler. Noch nie aber fielen die Aktienmärkte bisher nachhaltig, wenn sich die Erwartungswerte für die deutsche Wirtschaft aufgehellt hatten. Laut ifo-Institut befindet sich die deutsche Wirtschaft also wieder auf Kurs. Auch der Chefvolkswirt von Assenagon gibt sich aktuell zuversichtlich und bestätigt unsere Sichtweise mit folgenden Worten: „Es hat noch nie einen größeren Einbruch an den Börsen gegeben, wenn die Fundamentalfaktoren gut waren.“
 
Die amerikanische Wirtschaft scheint ebenfalls auf Kurs zu sein. Einer der wichtigsten Frühindikatoren für die US-Wirtschaft ist der sogenannte “Philly Fed Index“, der von der Federal Reserve Bank von Philadelphia veröffentlicht wird. Auch er ist für den Monat Februar stark angestiegen.

Wichtigster übergeordneter Dreh- und Angelpunkt für den weiteren Verlauf der Finanzmärkte werden jedoch weiterhin die Zinspolitik der Notenbanken weltweit sein. Die amerikanische Notenbank, FED, hat für dieses Jahr zunächst drei Zinserhöhungen in Aussicht gestellt, die nächste Zinserhöhung soll am 15. März in Höhe von 25 Basispunkten kommen. Doch ob die amerikanische Konjunktur weiterhin so rosig laufen und die Inflation anheizen wird, um in 2017 drei Zinserhöhungen zu rechtfertigen, muss zuerst einmal abgewartet werden. Und vergessen wir nicht die Staatsverschuldung, deren Bedienung durch höhere Zinsen immer schwieriger werden würde.

Wie bereits seit Jahren, so ist also auch im weiteren Verlauf des Jahres 2017 für Nervosität und Volatilität gesorgt. Aktuell kommt wieder Verunsicherung bezüglich einer erneuten Schieflage Griechenlands auf. Ein Ende des großen Europas würde auch der Austritt Frankreichs, Stichwort Frexit, aus der EU und dem EURO-Raum bedeuten. Bei einem Sieg von Marine Le Pen würde solch ein Szenario realer werden. Am 23. April wissen wir nach dem ersten Wahlgang etwas mehr. Und weitere „Nebenkriegsschauplätze“ gibt es zu Hauf. Denken wir an die stärker werdende Partei für die Freiheit, PVV, in den Niederlanden. Angesichts all dieser Ungewissheiten müssen wir diszipliniert unsere (Anlage)Strategien umsetzen und dabei die Nerven bewahren.

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