Marktkommentar: China wehrt sich

Im Zuge des Handelskonflikts fackelt China nicht lange und wertet seine Währung deutlich ab. Damit neutralisiert China zum Teil die Auswirkungen der US-Zölle. Das erste Mal seit 2008 notiert der Yuan nun unter 7 USD. Dadurch können chinesische Güter weltweit günstiger angeboten werden. Für die USA und Europa kommt diese Abwertung zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt, da die Volkswirtschaften auf eine Rezession zusteuern. Die Ausblicke für die Unternehmensgewinne trüben sich ebenfalls ein. Kein Wunder also, dass die USA jetzt China der Währungsmanipulation bezichtigt.

Die Zinsstrukturkurve als Rezessionsindikator ist inzwischen in allen wichtigen Volkswirtschaften invers, d.h., die langfristigen Zinssätze liegen unter den kurzfristigen.  So z.B. die 10jährigen US-Staatsanleihen mit 1,59% Zins während die 3monatigen US-Zinsen bei 1,96% liegen. In Deutschland und der Schweiz notieren im übrigen Staatsanleihen mit Laufzeiten von einem Monat bis zu 30 Jahren inzwischen im negativen Bereich, in Japan mit Laufzeiten bis knapp unter 20 Jahren. Weltweit betrachtet haben wir inzwischen Anleihen im Wert von 15 Billionen USD mit negativem Zins. Extremstes Beispiel ist die Schweiz; wer der Schweiz Geld auf 10 Jahre leiht, muss dafür jährlich 1% Zins zahlen, anstatt für das Entleihen entlohnt zu werden.

Dass niedrige Zinsen jedoch notwendig sind zeigt ein Blick in die Wirtschaft. Gemessen am ZEW-Indikator sinken die mittelfristigen Konjunkturerwartungen inzwischen auf das Tief von 2011. Auch die BofA/ML-Fondsmanagerbefragung zeigt an, dass 34% der befragten Fondsmanager mit einer globalen Rezession in den nächsten 12 Monaten rechnen. Eine Rezession einhergehend mit einer hohen Verschuldung von Staaten und Unternehmen verträgt sich nicht – erst recht nicht, wenn die Zinsen ansteigen würden.

 

Was aktuell positiv stimmt, ist die Konsumfreude der Verbraucher. In den USA kommt noch die Rückendeckung von der Fiskalseite hinzu. Sowohl Demokraten als auch Republikaner geben das Geld mit vollen Händen aus.   Damit werden die Bemühungen der amerikanischen Notenbaken, FeD, unterstützt. Nur in Europa steht die ZEW auf verlorenem Posten. Denn gerade in Deutschland wird trotz negativer Zinsen weiter gespart. Wirtschaftspolitisch ist das nicht gerade logisch. Auch von Seiten der Inflation kommen die Notenbanken noch nicht unter Druck. Die niedrige Inflation macht nämlich eine expansive Notenpolitik erst möglich. Auch die bevorstehenden Wahlen in den USA im nächsten Jahr dürften dazu führen, dass Trump für eine Wiederwahl eine stabile Volkswirtschaft im Rücken haben muss. Versöhnliche Kompromisse im Handelsstreit sind damit im vierten Quartal wahrscheinlich.

Eines ist gewiss: Wir werden bis in den Herbst hinein volatile Finanzmärkte vorliegen haben. Das vierte Quartal sollte dann aber versöhnlich stimmen – gerade  in Hinblick auf die US-Wahlen im nächsten Jahr.

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