Marktkommentar: Ein verrücktes halbes Jahr liegt hinter uns

Denkt man an das Jahr 2019 zurück, so hatte Niemand mit den Ereignissen des ersten Halbjahres 2020 gerechnet. Corona, war nur bei wenigen Insidern ein Begriff.

Doch auch einen negativen Ölpreis oder die Pleite des DAX-Titels, Wirecard, hatte niemand auf dem Schirm. Auch mit solch erratischen Bewegungen der Aktienmärkte, die zu dem seit 100 Jahren schnellsten Einbruch der Aktienmärkte führte, hatte niemand gerechnet. Auf einmal konnte man dann in der Presse die Warnrufe verschiedener Crashpropheten hören und ihre Bücher verkauften sich wie warme Semmeln. Doch was dann kam wird ebenfalls Börsengeschichte schreiben. Nämlich eine V-förmigen Erholung der Aktienkurse im Rekordtempo. Auch damit hatten wohl die wenigsten gerechnet. Eines steht weiterhin fest; wir werden auch im weiteren Verlauf des Jahres mit Unerwartetem rechnen müssen. Und gerade aus diesem Grund sollten Anleger sehr diszipliniert vorgehen und ihr Kapital über verschiedene langfristig bewährte Strategien streuen. Damit wird der Anleger wohl auch zukünftig alle Untiefen am ehesten heil überstehen können.

Weiterhin Gültigkeit dürfte der Börsenspruch “Don´t fight the Fed“ behalten – inbegriffen die riesigen Konjunkturpakete und Helikoptergelder verschiedener Regierungen. Solange nämlich die Zentralbanken alles unternehmen werden, um die Finanzmärkte nicht abstützen zu lassen, dürften sich die Aktienmärkte übergeordnet weiter aufwärtsbewegen können. Und hier dürfte interessant sein, dass die US-Notenbanker aktuell darüber diskutieren sogar die gesamte Zinskurve kontrollieren zu wollen. Bekanntlich wirkt sich die (bisherige) Geldpolitik nur auf das kurze Ende der Zinsstruktur aus, also auf die kurzfristigen Zinsen. Die längerfristigen Zinsen jedoch werden bisher nur durch das freie Spiel von Angebot und Nachfrage des Marktes beeinflusst. Nur Anleihen einzukaufen und so den Markt zu stützen scheint den Notenbankern aber schon länger nicht mehr auszureichen. Schließlich haben wir im vergangenen Quartal weltweit wohl den stärksten Konjunktureinbruch der Nachkriegsgeschichte erlebt. Was den kurzfristigen Zins anbetrifft, so wurde ja bereits verkündet, diesen in der Spanne von 0 bis 0,25% belassen zu wollen – bis die Wirtschaft sich von der Coronakrise wieder erholt hat und Preisstabilität und Vollbeschäftigung wiedergegeben sind.

 

Hausgemacht ist das Problem des Wirecard-Skandals. Das Unternehmen wurde im September 2018 in den DAX aufgenommen. Die Financial Times hat bereits Anfang 2019 gewarnt und auch wir waren im Rahmen unserer Produkte 2020 nicht mehr in dem Titel investiert. Eines ist jedoch gewiss; wie soll das Volk zu Aktionären erzogen werden, wenn schon im deutschen Standardwerte-Index, DAX, solche Skandale stattfinden können?

 

Was das nächste Halbjahr anbetrifft, so sind wir grundsätzlich für die Aktienmärkte positiv gestimmt. Allerdings ist eine potentielle zweite Corona-Welle noch nicht in den Aktienmärkten eingepreist. Und auch Themen, wie der ungeregelte Brexit oder ein wieder aufkeimender Handelsstreit zwischen den USA und China haben Anleger bisher ausgeblendet. Auf schwankungsreiche Sommermonate sollten wir uns daher auf jeden Fall einstellen.


GFA Vermögensverwaltung