Marktkommentar: Rezession und Negativzinsen bis 2021 sehr wahrscheinlich

Bereits in 2018 scheinen die Börsen - allen voran die deutschen und chinesischen Aktienmärkte - eine weltweite Konjunkturabschwächung zum Teil vorweg genommen zu haben. Der DAX verlor in 2018 rund -19% und der chinesische Aktienmarkt, MSCI China, auf Dollarbasis rund -20%. Erschwerend kommt noch der Handelskrieg zwischen Amerika und China hinzu und in Europa der drohende ungeordnete Brexit.

Auch die Notenbanker weltweit rechnen zu Recht mit einem schwächeren Wirtschaftswachstum in diesem Jahr. Um die Wirtschaft nicht noch zusätzlich mit höheren Zinsen zu belasten, geben sie sich daher nun handzahm. Und so hat der Notenbankchef der amerikanischen Fed, Jerome Powell, inzwischen eine ausgedehnte Pause im Rahmen zukünftiger Zinsanhebungen angekündigt. Die europäische Zentralbank, EZB, befindet sich im Vergleich zur Fed in einer recht ausweglosen Situation. So belässt zwar die EZB den Leitzins bei 0%, zumal auch der EZB-Präsident, Mario Draghi, deutlich gestiegene Risiken für das zukünftige Wirtschaftswachstum sieht. Problematisch ist allerdings die Tatsache, dass man bei einem drohenden Wachstumseinbruch oder bei einer Rezession in der Euro-Zone nicht mehr mit einer weiteren Reduzierung der Leitzinsen reagieren und gegenhalten kann. Schließlich liegen die Leitzinsen in der Euro-Zone schon seit geraumer Zeit bei 0% und der Einlagenzins bei bereits negativen -0,4%. Die EZB könnte damit höchstens noch das inzwischen beendete Anleihekaufprogramm wieder aufleben lassen, im großen Stiele Negativzinsen einführen und zusätzlich zu Anleihen auch noch Aktien aufkaufen.

Leider steht die amerikanische Zentralbank, Fed, auch nicht viel besser da als die EZB. Zwar liegt der Leitzins in den USA bei 2,25 bis 2,5%. Doch auch dies ist für eine wirksame Bekämpfung einer Rezession eine historisch tiefe Ausgangssituation. Und vergessen wir nicht; Auch die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt, nämlich Japan, hat keinen Spielraum mehr für eine Absenkung der Leitzinsen.

Allen wichtigen Notenbanken der Welt fehlt es also an Munition, um eine zukünftige Rezession wirksam bekämpfen zu können. Auch aus diesem Grund gehen weltweit anerkannte Experten, wie der ehemalige IWF-Chef-Ökonom und Harvard-Professor, Kenneth Rogoff, davon aus, dass die nächste Rezession – falls sie kommt - schlimmer wird als üblich. Und aus diesem Grund wies Rogoff schon 2017 darauf hin, dass sich die Notenbanken weltweit darauf einstellen sollten, in der nächsten Rezession negative Zinsen einführen zu müssen.

 

Doch wie steht es denn nun eigentlich mit der Wahrscheinlichkeit einer Rezession in den nächsten 2 bis 3 Jahren?

Schaut man speziell nach Deutschland, so gibt der wichtigste deutsche Konjunkturbarometer, der ifo-Geschäftsklimaindex, seit Anfang 2018 nach – mit Ausnahme eines kleinen Aufbäumens im Spätsommer 2018. Insgesamt steht zwar die ifo-Konjunkturuhr bereits seit Anfang 2011 immer noch auf Boom; die Konjunkturuhr nähert sich aber jetzt mit großen Schritten dem Bereich des Abschwungs.

Die Experten von Pimco sehen die Wahrscheinlichkeit einer bevorstehenden Rezession für 2019 bei ca. 30%, für den Zeitraum bis 2021 jedoch bei stattlichen 90%.

Ein sehr guter Indikator, der bisher jede Rezession verlässlich angezeigt hat, ist die Zinsstrukturkurve und hier der Abstand zwischen den kurz- und mittelfristigen Zinsen. Auch dieser Abstand ist inzwischen zusammengeschmolzen. Wir betrachten dabei vor allem den Abstand zwischen den 10jährigen sowie den 2jährigen und 3monatigen US-Renditen. Die 10jährigen US-Renditen notieren aktuell bei ca. 2,7% und die Renditen der 2jährigen bei ca. 2,5%. Noch ist die Zinsstrukturkurve insgesamt betrachtet also nicht flach oder gar invers. Die 5jährigen Renditen notieren mit aktuell 2,5% aber schon auf dem Niveau der 2jährigen Zinsen. Eine Rezession wird somit von dieser Seite her betrachtet bisher (noch) nicht angezeigt. Doch auch hier wird der Abstand der Renditen immer enger, bis die langfristigen Zinsen schließlich sogar unter die kurzfristigen fallen könnten. Und damit würde dann eine Abschwächung der Konjunktur angezeigt werden. Man bedenke dabei, dass die langfristigen 10jährigen Staatsanleihen in Deutschland, Japan und der Schweiz jetzt schon bereits wieder dabei sind, ihre Tiefpunkte von Mitte 2016 anzusteuern.

 

Nach wie vor leben wir alle in einem Experiment künstlich stimulierter Wirtschaft und exzessiver Notenbankpolitik. Die gesamte Situation bleibt damit fragil und sowohl Notenbanken als auch Staaten sind weiterhin dazu verdammt, aktionistisch handeln zu müssen.

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