Politische Börsen

In unserem Update der letzten Woche hatten wir Ihnen den Rat gegeben, nicht voreilig diskretionär Schlüsse zu ziehen oder emotional auf die Aktienkursbewegungen zu reagieren. Auch wir halten uns letztendlich an unsere Strategien und Systeme - auch wenn man emotional in der letzten Woche als Börsianer gerne mal wieder die Flinte ins Korn geworfen hätte. Abzulesen war die Nervosität der Marktteilnehmer letzte Woche auch am Risikoindikator der Bof Merril Lynch, dem Global Financial Stress Index. Er erreichte letzte Woche den höchsten Stand seit Januar. Noch aber sind die mittelfristigen Aufwärtstrends intakt und solange bleiben wir auch in den Aktienmärkten investiert. Schließlich können auch wir evtl. politische bedingte Entschlüsse oder Wahlergebnisse, wie z.B. die Wahl in Frankreich oder die an diesem Mittwoch erwarteten Äußerungen von Trump bezüglich der geplanten Steuersenkungen nicht vorwegnehmen.


Was die Stichwahl in Frankreich anbetrifft, so dürfte diese aufgrund des Wahlsystems in Frankreich zu Gunsten von Emmanuel Macron und damit nicht zuletzt zu Gunsten der Börsianer ausgehen. Doch die nächsten Wahlen von übergeordneter Bedeutung stehen für Europa im September an. Und das sind unsere Bundestagswahlen in Deutschland. Ein für die Wirtschaft katastrophales Ergebnis wäre ein rot-rot-grünes Bündnis. Und leider liegt dies im Bereich des Möglichen. Es wäre dann der größte Linksruck seit 1989. Warten wir also ab.

Kurzfristig wird nun diesen Mittwoch US-Präsident Trump die seit langem mit Spannung erwarteten Steuersenkungen präsentieren. Deren Ausmaß wird darüber entscheiden, ob Amerika dieses Jahr um eine Rezession herum kommt oder nicht. Der Binnenkonsum in den USA baut sich nämlich bereits seit einem halben Jahr ab. Und gerade der Binnenkonsum ist die wichtigste Stütze der US-Wirtschaft. Auch psychologisch ist der Mittwoch für die Börsen und die Wirtschaft von Bedeutung.

Bisher stehen die US-Börsen seit Anfang März noch unter Konsolidierungsdruck. Und solange der S&P 500 – Index nicht die 2.370 Punkte überwinden kann, wird dies auch so bleiben - zumal der breite US-Markt Schwäche zeigt. Man bedenke nur, dass 10 des aus 500 Titeln bestehenden S&P 500 – Index zu 53% für den Gewinn des Index seit 01. Januar verantwortlich sind. Und wenn diese sehr stark gewichteten 10 Titel, wie z.B. Apple, Alphabet, Microsoft, Amazon, Facebook oder Procter & Gamble stark steigen, steigt eben auch der gesamte marktkapitalisierungsgewichtete Index. Mit einer gesunden Entwicklung hat dies aber nichts zu tun. Apple, Facebook und Amazon machen alleine fast 10% des S&P 500 – Index aus. Gerade mittlere und kleine US-Aktien entwickeln sich jedoch seit längerem sehr schwach und stagnieren oder fallen bereits seit Anfang Dezember 2016.
Die seit der Internetblase höchste Bewertung des US-Marktes belastet zudem. Setzt man z.B. die Marktkapitalisierung aller im S&P 500 – Index versammelten Unternehmen ins Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Vereinigten Staaten, übersteigt der Börsenwert der S&P-Aktien das US-BIP um rund 10%. Zuletzt war dies am Hoch zur Jahrtausendwerte im Jahre 2000 der Fall.
Kurzfristig betrachtet ist der S&P 500 – Index aber zumindest nach unten hin bei ca. 2.280 Punkten gut abgesichert. Und beim Vortasten zählt alleine dies.

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