Rücksetzer wahrscheinlich, Crash eher unwahrscheinlich

Das Grundvertrauen in die weltweiten Aktienmärkte nimmt mit Blick auf die nächsten Wochen und Monate weiterhin ab, so der Sentimentexperte, sentix. Besonders deutlich wird dies für den deutschen Aktienmarkt. Hier erodiert das Grundvertrauen bereits seit Anfang des Jahres. Bisher sind die Aktienmärkte trotzdem weiter gestiegen und der DAX konnte letzte Woche sogar ein Jahreshoch markieren.

Erfahrungsgemäß lässt sich solch eine Divergenz jedoch nicht ewig aufrechthalten, und so sollte in den nächsten Tagen eine moderate Korrektur an den Aktienmärkten folgen. Mit einer nur moderaten Korrektur rechnen wir deshalb, weil kurzfristig bereits wieder die Skepsis zunimmt und in den Medien immer mehr das Thema “Crash“ Erwähnung findet. Ein Umfeld also, in dem nicht von einer gefährlichen Euphorie für die Aktienmärkte gesprochen werden kann.

Der kurzfristige Aufwärtstrend im DAX verläuft übrigens bei 11.966 DAX-Punkten. Erst bei Bruch dieser Marke nach unten hin könnte wieder das Unterstützungsniveau von 11.500 bis 11.835 DAX-Punkten ins Spiel kommen und getestet werden.  

Saisonal betrachtet befinden wir uns noch bis in den Mai hinein in eher positivem Aktienmarktumfeld. Kritischer wird es saisonal betrachtet ab August.

Zinspolitisch kann zunächst Entwarnung gegeben werden. Denn obwohl die Fed-Präsidentin Janet Yellen - wie im Vorfeld erwartet - die US-Leitzinsen um moderat 0,25% vor allem aufgrund des positiven Arbeitsmarktes leicht erhöht hat, kann nach ihren Verlautbarungen in der letzten Woche davon ausgegangen werden, dass die Fed weiterhin umsichtig agieren wird. Wörtlich sprach sie von einer weiterhin moderat ausgerichteten Zinspolitik. Grund: Die Wachstumsraten bei der Konjunktur sind noch recht gering, vor allem im amerikanischen Automobilsektor. Zudem belasten die steigenden Löhne, anziehende Produzentenpreisen, ein starker Dollar und höhere Zinsen zunehmend die Unternehmen. Wie die Unternehmen damit fertig werden, wird wohl erst einmal von der Fed abgewartet werden (müssen).
Die europäische Zentralbank EZB wiederum wird vor Beginn eines langsamen Ausstiegs aus der ultralockeren Geldpolitik die Wahlen in Frankreich abwarten. Steigende Zinsen und politische Risiken wären schließlich eine explosive Mischung. Der erste Schritt wäre dann auch eine Reduzierung der Anleihenkäufe, nicht jedoch schon eine Erhöhung der Leitzinsen. Diese dürfte erst ab Ende 2018 in Erwägung gezogen werden – wenn politisch alles im Lot bleibt. Zudem sind die Kerninflationsrate (ohne Öl und Nahrungsmittel) und die Lohnentwicklung in Europa sehr niedrig, so dass längst noch kein Handlungsbedarf für die EZB besteht. Und übergeordnet sollten wir bezüglich der Geldpolitik bedenken, dass zu hohe Zinsen angesichts enorm hoher Staatsverschuldung die Gefahr heraufbeschwören, erneut schwarze Schwäne sichten zu können. Eine neue Lehman-Krise wird aber wohl niemand riskieren wollen – selbst Trump nicht.

Übergeordnet betrachtet rechnen wir mit einem guten Börsenjahr 2017. Viel Geld wurde in den letzten Jahren vor allem in den USA in Rentenfonds angelegt, wo aber jetzt die höchsten Risiken schlummern. Die Gefahr von Kursrückschlägen wachsen aber nun. Steigen z.B. die Zinsen um nur 1%, so ist im Bereich von Staatanleihen mit noch 10jähriger Restlaufzeit mit einem Kursverlust von rund 15% zu rechnen. Doch auch Schwellenländeranleihen auf Dollarbasis oder auch Unternehmensanleihen bleiben nicht verschont. Und so ist übergeordnet mit weiteren Umschichtungen in den Aktienbereich zu rechnen.

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