Sind Tech-Titel noch lohnenswert?

Viele Tech-Titel haben sich seit der Corona-Krise kräftig erholt. Solch eine kräftige Erholung führt aktuell dazu, dass viele Anleger an einem rationalen Anlegerverhalten zweifeln und dem Markt fernbleiben. Auch in vielen Fachzeitschriften wird dieses Phänomen inzwischen thematisiert – vor allem die unglaublichen Kursgewinne bei den schwergewichtigsten sogenannten FANGMAN-Aktien.

Das Akronym FANGMAN steht dabei für die Titel Facebook, Apple, Netflix, Google (heute Alphabet), Microsoft, Amazon und Nvidia. Dass gerade nur die wenigen schwergewichtigen Titel alle Indizes und vor allem den Nasdaq100-Index nach oben ziehen, erkennt man auf der nächsten Graphik.

Vergleich des kapitalmarktgewichteten mit dem gleichgewichteten Nasdaq100-Index

 

Quelle onvista.de

 

Anhand der Graphik wird sichtbar, wie der kapitalmarktgewichtete Nasdaq100-Index (grüne Linie) dem gleichgewichteten Index (blaue Linie) seit 2017 zunehmend enteilt. Im gleichgewichteten Index werden alle 100 Titel gleich gewichtet, beim “originären“ Nasdaq100-Index haben die Aktien mit der größten Marktkapitalisierung das höchste Gewicht im Index. Die sieben FANGMAN-Aktien sind also im kapitalmarktgewichteten Index (grüne Linie) mit einer Gewichtung von inzwischen zusammen ca. 50% besonders hoch gewichtet und ziehen so den gesamten Index nach oben. Die anderen 50% verteilen sich auf die restlichen 93 Titel des Nasdaq100-Index.

 

Sind vor allem die FANGMAN-Aktien damit zu teuer geworden?

Schauen wir uns hierzu in den nächsten fünf Graphiken die historische Bewertung der FANGMAN-Aktien Microsoft, Apple, Amazon, Google und Facebook in den letzten Jahren an.

Historisches KGV von Microsoft seit 1986

 

Quelle: www.wolframalpha.com

 

Microsoft wurde in den 1990er Jahren hoch gehandelt und das KGV lag auf dem Höhepunkt der Euphorie Anfang 2000 auf ca. 70. Im Zuge des Platzens der Dotcom-Blase fiel der Titel. Die Bewertung des Titels fiel sogar noch einige Jahre weiter und lag in der Spitze auf nur noch 10 im Jahr 2008.

Aktuell befindet sich das KGV bei rund 30, was bereits in den 90er Jahren eher einer ganz normalen Bewertung für den Wachstumstitel entsprach. Da die Gewinne ebenso stark gestiegen sind wie der Kurswert, ist das aktuelle KGV nicht höher als in den 90er Jahren - obwohl die Aktie 1990 nur 1 US-Dollar kostete.

 

Historisches KGV Apple seit 1985

 

 

Quelle: www.wolframalpha.com

 

Apple hat aktuell ein KGV von ca. 30. Allerdings lag das KGV auch schon mal bei fast 40 im Zuge der iPhone-Hysterie 2007. Als Apple Mitte der 2000er Jahre anfing nachhaltige Gewinne vorzuweisen, stieg dann die Euphorie stark an.

 

 

Historisches KGV Amazon seit 2004

 

Quelle: www.wolframalpha.com

 

Recht teuer ist aktuell Amazon mit einem KGV von 150 bewertet – auch wenn die Bewertung früher schon sehr viel höher lag.

 

Historisches KGV Google/Alphabet seit 2005

 

 

Quelle: www.wolframalpha.com

Seit dem Börsengang 2004 hat sich das KGV bei Google eher zurückentwickelt. Zumindest historisch betrachtet ist das aktuelle KGV von ca. 30 nicht zu hoch.

 

Historisches KGV Facebook seit 2012

 

Quelle: www.wolframalpha.com

 

Recht jung ist Facebook. Erst 2012 ging das Unternehmen an die Börse. Die Bewertung war am Anfang euphorisch, liegt aber jetzt auch nur noch bei ca. 30.

 

Resümee:

Mit Ausnahme von Amazon liegen die KGVs der Dickschiffe in der Nasdaq bei ca. 30 bis 40. Historisch betrachtet sind die Aktien nicht zu teuer.

Doch wie sollte man aufgrund dieser Erkenntnisse als potentieller Anleger vorgehen?

 

Charts verdeutlichen die Zusammenhänge:

Ein Blick auf den Kursverlauf der Vergangenheit bringt mehr Klarheit. Amazon zum Beispiel schrieb 2002 erstmals Gewinn. Der euphorische Anstieg der Aktienkurse von 1997 bis Ende 1999 von ca. 2 US-Dollar auf über 100 Dollar fand beim Platzen der Dotcom-Blase im März 2000 sein jähes Ende. Der Kurs fiel wieder auf ca. 7 Dollar Ende 2001. Aktienkurse von Geschäftsmodellen, die (noch) nicht profitabel sind, neigen eben dazu in Crashphasen überproportional zu fallen.

 

Quelle: www.stockcharts.com

Nicht viel anders erging es Apple. Die Aktienkurse von Apple, das im Rahmen des Platzens der Dotcom-Blase auch noch keine Gewinne vorzuweisen hatte, fielen von 4,50 US-Dollar im März 2000 auf 80 Cent im April 2003. Vor allem im Herbst 2000 fielen die Kurse wie ein Stein.

 

Quelle: www.stockcharts.com

 

Microsoft hatte bereits im Rahmen des Platzens der Dotcom-Blase ein etabliertes Geschäftsmodell vorzuweisen. Ein KGV von damals 70 Anfang 2000 rächte sich jedoch auch hier. Die Aktie fiel von rund 38 Dollar auf in der Spitze 13 Dollar Ende 2000. Dieser Wert musste dann aber wenigstens in der Folge nicht mehr unterschritten werden.

 

Quelle: www.stockcharts.com

 

Halten wir also fest: Überzogene Bewertungen rächen sich in Crashphasen und Geschäftsmodelle, die noch keine Gewinne vorweisen können, verlieren dann umso mehr an Wert.

Doch, wie sollte man mit dieser Erkenntnis pragmatisch umgehen?

 

Pragmatische und erfolgreiche Vorgehensweise:

Sich Chancen auf den Aktienmärkten und damit gerade auch bei den Tech-Titeln entgehen zu lassen, macht keinen Sinn. Nach guter alter buy-and-hold-Manier alle zukünftigen Korrekturen durchzuhalten aber genauso wenig. Folgen Sie viel mehr dem Trend einzelner Aktien, solange dieser aufwärtsgerichtet ist. Eine sehr gute Möglichkeit dazu ist der richtige Einsatz von nur zwei gleitenden Durchschnitten – der 200-Tagelinie und der 38-Tagelinie. In den Kursverläufen von Microsoft, Apple und Amazon haben wir diese zwei gleitenden Durchschnitte in den obigen Charts eingezeichnet. Eine einfache Regel lautet nun, grundsätzlich nur in die Aktien zu investieren, deren Chart die 200-Tagelinie überschritten hat. Das entspricht einer Vorselektion nach dem sogenannten absoluten Momentum. Im Vergleich zu den anderen Titeln ist dann die Aktie am attraktivsten, dessen Abstand der 38-Tagelinie zur 200-Tagelinie am größten ist. Genauso gehen wir in unserem Fonds “Deutsche Aktien Systematic Invest“ vor. In einem zweistufigen Prozess werden Sie somit unter Beachtung des absoluten und relativen Momentums automatisch in den erfolgreichen Phasen der Aktien investiert sein und die Crashs weitgehend vermeiden können.

Wie das genau funktioniert werden wir in einer der nächsten Ausgaben genauer erläutern – einfach und transparent. Quälende Selbstzweifel, ob Sie noch einsteigen sollen oder nicht, haben dann ein Ende.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

GFA Vermögensverwaltung