Tauziehen zwischen Bulle und Bär

Chinas Präsident Xi Jinping hat nun in den Handelskrieg eingelenkt und will die Zölle vor allem auf ausländische Automobile senken. Für ein exportorientiertes Land wie Deutschland sind dies zunächst einmal positive Nachrichten. Kein Wunder also, dass der DAX gestern positiv reagiert hat und aktuell dabei ist, seinen seit Februar ausgebildeten Abwärtstrendkanal positiv aufzulösen; doch auch die chinesische und amerikanische Börse scheint nun die Bodenbildung der Aktienkurse abschließen zu wollen.

Vorsicht ist trotzdem angebracht; schließlich werden aktuell die Börsen fast täglich unter hohen Schwankungen von unterschiedlichen Nachrichten nach oben oder nach unten getrieben. Noch vorgestern Abend (9.4.) z.B. wurden die US-Aktien in den letzten zwei Handelsstunden abverkauft – also bevor sich Xi Jinping geäußert hatte. Der Dow Jones verlor dann 400 Punkte, dies war ein an sich schlechtes Zeichen für den weiteren Verlauf der Aktienmärkte. Täglich jedoch auf Nachrichten zu reagieren ist ein schlechter Ratgeber und so halten wir uns lieber emotionslos an unsere Strategien. Zudem wird sich der Finanzmarkt nun eher an den Handelskrieg gewöhnen und in den nächsten Wochen zunehmend aufzeigen, wohin er letztendlich fundamental betrachtet hintendieren will.
Bisher konnte sich der Leitindex in den USA, der S&P 500 – Index, jedenfalls knapp über seiner 200-Tagelinie halten, jedoch auch nicht richtig davon lösen. Ob dies nun nachhaltig gelingen wird, werden wir in den nächsten Tagen beobachten können.

Übergeordnet betrachtet befinden wir uns im an sich recht guten Börsenmonat “April“. Doch Gefahren lauern bereits ab Mai – auf die wir aber durch unsere regelbasierte Absicherungssystematik gut vorbereitet sein dürften. Auslöser für weiterhin volatile Aktienkurse dürfte das weitere Vorgehen der Notenbanken sein. Und diesbezüglich ist nicht klar, wie stark die Notenbanken die Zügel in den nächsten Monaten anziehen werden. Betrachtet man sich die Inflationskennzahlen, so werden diese wohl bereits in diesem Frühjahr die Zielmarke von 2% überschreiten. Die Fed müsste also eigentlich die Zinsen entsprechend weiter anheben. Doch den Notenbanken dürfte auch klar sein, dass die (Staats)Schulden und Schulden der Unternehmen weltweit viel zu hoch sind, als dass ein höheres Zinsniveau verträglich wäre. Selbst eine neue systemische Krise würde damit heraufbeschworen werden. Wie schon oft an dieser Stelle geäußert, gehen wir daher davon aus, dass die Staatsschulden weltweit durch eine Geldentwertung/Inflation abgebaut werden dürften. Leider haben sich nämlich die Schulden in den letzten 10 Jahren weiter dramatisch erhöht. Damit dieser Abbau der Schulden gelingt, müssen aber die Inflationsraten über den jeweiligen Zinsniveaus der betreffenden Länder liegen. Als Begründung für ein Aussetzen der geplanten Zinsschritte dürfte dann eine sich abschwächende Wirtschaftsdynamik angeführt werden. Viele Konjunkturfrühindikatoren, wie der Erwartungswert des ifo, ZEW oder sentix zeigen diese Abschwächung der Konjunktur nämlich bereits seit Februar auch tatsächlich an.
 
Übergeordnet und damit langfristig betrachtet profitieren am ehesten die Aktienmärkte von diesem gesamten Szenario; hohe Kurschwankungen könnten jedoch auch ein Resultat dieser zukünftigen Geldpolitik sein. 

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