Vola voraus

Viele Vorzeichen deuten inzwischen erhöhtes Schwankungspotential an den Finanzmärkten an - auch wenn die aktuelle Volatilität noch darüber hinwegtäuscht und äußerst niedrig ist. Diese erhöhte Volatilität als Ausdruck erhöhter Nervosität könnte dann auch bereits diese Woche oder zumindest noch im Februar beginnen. Auslöser hierfür gibt es viele. So meldet sich z.B. die US-Notenbankpräsidentin, Janet Yellen, bereits heute und Morgen vor dem Kongress zu Wort.

Voreilig sollte man dennoch nicht handeln; schließlich sind die Aufwärtstrends an den Aktienmärkten weiterhin in Takt. Wir rechnen jedoch noch in diesem Monat mit dem Beginn einer untergeordneten Korrektur.

Sentimenttechnisch zeigt vor allem die Datenlage von sentix ein mittelfristig stark schwindendendes Vertrauen der Anleger in deutsche, europäische und amerikanische Aktien an. Diese mittelfristige Erwartung - strategisches Bias genannt - ist in der Regel kein Kontraindikator. Und so geht sentix von einem größeren Korrekturpotential in den nächsten Wochen aus, schließlich ist die Diskrepanz/negative Divergenz von Aktienkursentwicklung und mittelfristiger Erwartung eine der größten innerhalb der letzten Monaten.

Technisch betrachtet muss negativ zur Kenntnis genommen werden, dass die Kurse an den amerikanischen Börsen nach 20.00 Uhr MEZ in den letzten Tagen nicht mehr steigen, sondern zur Schwäche neigen - auch wenn das Gesamtergebnis der gesamten Sitzung unter dem Strich bisher meist positiv verläuft. Ein Zeichen dafür, dass schwächere Kurse nicht mehr hochgekauft werden. Auch das Handelsvolumen ist seit Tagen nicht mehr sehr hoch. Steigende Kurse und fallendes Volumen sind jedoch auch ein Negativzeichen. Nach der sogenannten Dow-Theorie sollte auch der Dow Jones Transportation – Index den Dow Jones Industrieindex bestätigen bzw. ihm vorauslaufen. Das tut er aber bisher auch nicht.

Rein charttechnisch hat der DAX im Bereich von 11.470 sowie 10.800 DAX-Punkten inzwischen eine starke Unterstützungszone aufgebaut, um die 11.600 DAX-Punkte eine kleinere. Auch im Rahmen von Korrekturen werden diese Unterstützungen i.d.R. nicht so schnell nach unten hin durchbrochen. Nach oben hin ist der DAX aber auch durch sein Verlaufshoch aus dem Januar gedeckelt.

Versucht man über den Tellerrand hinaus zu schauen, so sehen wir ein positives erstes Halbjahr - aber auch Gesamtjahr -  vor uns. Vor allem Europa mit Schwerpunkt Deutschland sowie die Schwellenländer sollten positiv abschneiden. Am anfälligsten für Korrekturen sollten die amerikanischen Aktienmärkte sein, die inzwischen stark überbewertet ist. Die 500 größten Werte im S&P-500-Index werden gegenwärtig mit dem ca. 17-fachen ihres Kurs-Gewinn-Verhältnisses gehandelt. Bei dem aktuellen schwachen Gewinnwachstum der Unternehmen wäre diese Bewertung langfristig eigentlich nicht zu rechtfertigen. Doch im Gegensatz zu früheren Jahren werden die Zinsen von Seiten der Notenbanken wohl nur langsam in kleinen Schritten erhöht werden, so dass eine Rezession zukünftig vermieden werden kann. Mit einer restriktiven Notenbankpolitik ist somit nicht zu rechnen. Eher mit einer weiterhin ungesunden Balance, für die wir allerdings alle eines Tages zahlen müssen.

Was Europa anbetrifft, so hat dieser Aktienmarkt im Vergleich zu den USA enormen Nachholbedarf. Dies könnte sich dieses Jahr ändern. Sollte der EURO im Vergleich zum Dollar zur Schwäche neigen, würde dies eine Aufholjagd zusätzlich befeuern. Und schließlich sollte man berücksichtigen, dass auch die Anleger weltweit im letzten Jahr aufgrund vieler Unsicherheiten bereits viel Kapital aus den europäischen Märkten abgezogen haben. Auch die Schwellenländer dürften eine interessante Alternative für Investitionen sein.

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