Vorsicht vor Index-ETFs

Doch Aktien - auch von gut positionierten Unternehmen - werden sich auch zukünftig zyklisch verhalten. Und eine Überbewertung von Titeln führt immer wieder zu Korrekturen, die sich auch überproportional in den Indizes niederschlagen. Das beste Beispiel hierfür ist die Dotcom-Blase 1999/2000, die vor 20 Jahren im März 2000 platzte. Auch damals gab es im Vorfeld viele technologische Entwicklungen, die zu einem Hype geführt hatten und Technologieindizes mit nach oben rissen. Das Handy wurde massentauglich, ebenso wie Internet-Modems und dadurch nahm die Nutzung des Internets in privaten Haushalten ihren Lauf. Vieles waren nachhaltige Konzepte, doch die Aktien korrigierten dennoch heftig als die Dotcom-Blase platze.
Wie sieht es aktuell aus ?
Der marktbreite US-Index, S&P500, besteht inzwischen zu 23,2% aus Technologie-Titeln, während zum Beispiel Energie-Titel praktisch keine Rolle mehr spielen. Die nächste Graphik verdeutlicht das sehr gut.

 

 

Quelle: www.wellenreiter-invest.de

 

An die Sektoren-Gewichtung des Jahres 2000, mit fast 30%, reicht die aktuelle Gewichtung des Technologie-Sektors zwar noch nicht heran; erste euphorische Tendenzen sind aber durchaus erkennbar. Indizes sind i.d.R. kapitalmarktgewichtet konstruiert. Schließlich müssen Sie die Wichtigkeit der Firmen in der Realwirtschaft reflektieren. Das führt dazu, dass Titel mit einer hohen Marktkapitalisierung (= Wert der umlaufenden Aktien) in den Indizes viel höher gewichtet sind, als Titel mit einer geringen Marktkapitalisierung. Der Technologie-Index, Nasdaq 100, zum Beispiel, umfasst 100 Titel. Die Gewichtung allein der fünf größten Titel beträgt jedoch stattliche 38%, wie die nächste Tabelle gut veranschaulicht. Allein Apple und Microsoft haben eine Gewichtung von jeweils über 10% im Nasdaq 100-Index. 

Doch auch was den größeren Bruder des Nasdaq 100, den S&P 500-Index, anbetrifft, so haben dort alleine die fünf FAANG-Titel eine Gewichtung von rund 19%, wie man der nächsten Graphik anhand des ETFs, “HSBC S&P 500 ETF“ entnehmen kann. Und das in einem Index mit insgesamt 500 Titeln !

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vergleicht man nun anhand der nächsten Graphik diesen S&P500-Index mit einem Index-ETF, in dem alle 500 Titel gleichgewichtet werden, dem sogenannten “Xtrackers S&P 500
Equal Weight UCITS ETF“, so erkennt man , wie sich der originäre S&P500-Index seit April 2020 immer mehr vom Equal-ETF abhebt. Extremer ist der Vergleich zum reinen Technologie-Index, NASDAQ 100. Er kennt aktuell kein Halten mehr.

 

Noch sind dies keine Hinweise dafür, dass ein Platzen einer Technologie-Blase bevorstehen muss. Wer jedoch blind in Indizes investiert, sollte aufkommende Risiken aufgrund der Index-Konstruktionen kennen. In einem aktiven Management hingegen kann rechtzeitig die Reißleine gezogen werden, wenn mal wieder Überbewertungen drohen und vom Markt korrigiert werden. Zum Beispiel über Momentum-Strategien, bei denen bei rückläufiger Trendstärke Titel verkauft werden. Indizes hingegen halten auch die Aktien, wenn Trends gebrochen werden. Schließlich ist es nicht die Aufgabe eines Index, ein ideales Anlagevehikel zu sein. Also Vorsicht vor Standard-ETFs - vor allem im Rahmen einer buy-and-hold-Strategie.

 

 

Quelle: www.fondsweb.de

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