Weitere Zinssenkungsphantasie

Weitere Zinssenkungsphantasie könnte die Aktienmärkte befeuern – so die kurzsichtigen Erwartungen vieler Marktteilnehmer und Anleger. Und während noch Mitte Juli mit “nur“ zwei Leitzinssenkungen in den USA gerechnet wurde, geht man in den USA jetzt schon von drei Zinssenkungen in diesem Jahr aus – der ersten bereits am 31. Juli.

Auslöser sind Äußerungen des Fed-Chefs Jerome Powell, dass sein Haus die US-Konjunktur in Gefahr sehe. Die einfache Rechnung für Aktionäre ist nun die, dass niedrige Zinsen einfach gut für die Aktienmärkte sind. Dem liegt zum einen die Annahme zu Grunde, dass Unternehmen bei niedrigen Zinsen bereitwillig Kredite aufnehmen und investieren und zum anderen, dass Aktien bei den niedrigen Zinssätzen alternativlos sind. Doch sind die Unternehmen nach diesen bisher bereits sehr langen Phasen der Niedrigzinsen tatsächlich weiterhin gewillt nun auch noch zusätzliche Investitionen zu tätigen?

Wohl kaum. Dazu müssten nämlich die zukünftigen Konjunkturerwartungen positiver ausfallen. Und wenn man sich die Konjunkturindikatoren weltweit anschaut, so fallen diese seit Anfang des Jahres. Die Lagewerte der Konjunkturindikatoren fallen dabei schon seit über einem Jahr. In Deutschland könnte nach aktueller Datenlage sogar eine Rezession bevorstehen. Das zeigt aktuell der sentix-Konjunkturindex und das Ökonomen-Barometer von Euro am Sonntag sehr schön auf. Der sentix-Index notiert aktuell auf dem niedrigsten Niveau seit 2009 und ist inzwischen in den kontraktiven Bereich abgerutscht. Auch der Erwartungswert des Ökonomen-Barometers liegt nun bei unter 50 und zeigt damit eine mögliche Rezession innerhalb der nächsten 12 Monate an. Der IFO-Index notiert aktuell so tief wie seit 2014 nicht mehr. Eigentlich verlaufen die deutschen Aktienmärkte und der Konjunkturindex seit vielen Jahren fast parallel. Doch seit Anfang 2019 öffnet sich eine Schere, da die Aktienmärkte trotz erodierender Konjunkturindikatoren weiter steigen. Der zuletzt am 16. Juli veröffentlichte ZEW-Konjunktur-erwartungen ist ebenfalls weiter eingebrochen und notiert jetzt wieder auf dem Niveau vom Oktober 2018. Vor allem die Lagewerte sackten jetzt stark in den negativen Bereich ab, von +7,8 auf -1,1. Kein guter Vorbote für den ifo-Geschäftsklimaindex, der in der KW 30 veröffentlicht wird. Auch international zeigen die Konjunktur-Frühindikatoren Richtung Süden. In den USA ist zudem abzulesen, dass die Niedrigzinsen bisher nicht zu einer Belebung am Automarkt oder im Immobiliensektor geführt haben. Bisher tangiert aber auch das die Anleger nicht.

Wie sich die Aktienmärkte kurzfristig weiter entwickeln werden, hängt wohl auch von der kürzlich angelaufenen Berichtssaison ab.   Rückläufige Gewinne sind bei den Unternehmen zwar eingepreist, jetzt kommt es aber darauf an, dass diese negative Sichtweise nicht noch unterboten wird. Auch die Äußerungen zu den weiteren Aussichten der Unternehmen werden jetzt wohl auf die Goldwaage gelegt. Was die deutschen Firmen anbetrifft sieht es ja eh nicht so rosig aus, wie die Gewinnwarnungen bei Daimler, Krones, Lufthansa und BASF zeigen.

Last but not least sei noch erwähnt, dass zwar die US-Indizes steigen, dieser Anstieg aber wieder auf den überproportionalen Kursanstieg der FAANGM-Aktien zurückzuführen ist. Und so machen die größten 5 Titel im S&P 500 – Index jetzt schon wieder mehr als 15% des Gesamtindex aus. Da werden doch wieder Erinnerungen an das Platzen der Dotcom-Blase wach.

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