GFA spricht Klartext: Das erwartet uns im Jahr 2023

2022 war bekanntlich nicht das beste Jahr für Anleger. Durch die Folgen der andauernden Corona-Pandemie, hohen Inflationsraten, den Ukraine-Krieg und der daraus folgenden Energiekrise hatte die Börse mit vielen Widrigkeiten zu kämpfen.

Wie blicken wir auf das neue Jahr? Welche Szenarien erwarten wir und wie werden wir damit umgehen? Unsere GFA-Börsenprofis geben einen Ausblick in Ihre persönlichen Erwartungen zu den Märkten, Aktien, Zinsen und Branchen für 2023:

"Hier kann sich der Einstieg lohnen"

Die wirtschaftlichen Krisen im Jahr 2022 haben auf die Stimmung der Investoren geschlagen. Sentiment-Indikatoren, die die Stimmung der Anleger messen, notieren auf einem historischen Tief. Fast alle Marktteilnehmer rechnen in diesem Jahr mit einer globalen Rezession. Rein statistisch betrachtet sind wir inzwischen an einen Punkt angelangt, an dem sich im Jahr 2023 ein endgültiger Boden an den Finanzmärkten ausbilden könnte. Aktienmärkte beginnen jedoch bereits während einer Rezession wieder an zu steigen – schließlich handeln die Aktienmärkte die Zukunft und nicht die realwirtschaftliche Gegenwart. Und solch eine Rezession könnte schon Ende 2022 begonnen haben, wie die inverse Zinsstrukturkurve für die USA und Europa nahelegt. Wann allerdings der geeignetste Einstiegszeitpunkt während der laufenden Rezession im Jahr 2023 sein wird, ist schwer zu prognostizieren. Positiv ist jedenfalls auch, dass der Materialmangel nachlässt, die Entlastungspakete den Konsum stützen und die Leitzinserhöhungen spätestens im Spätsommer 2023 ihr Ende finden könnten.

Ein saisonal wichtiger Indikator ist zudem der Präsidentschaftszyklus. Und dieser spricht im Jahr 2023 für einen übergeordnet sehr positiv verlaufenden Aktienmarkt – vor allem ab dem frühen Frühjahr bis zum Hochsommer. Der vierjährige Präsidentschaftszyklus ist im Übrigen der stabilste saisonale Zyklus mit einer hohen statistischen Trefferquote. Und 2023 ist ein sog. Vorwahljahr, das i.d.R. sehr positiv verläuft. Grund: Bereits im Vorwahljahr versuchen US-Präsidenten die Wähler milde zu stimmen, um wieder gewählt zu werden. In über 80 Prozent aller Fälle enden Vorwahljahre an den Aktienmärkten daher positiv.

Im Herbst dürften die Märkte nochmals abtauchen, um dann nach dieser Bereinigung eine endgültige nachhaltige Rally einzuläuten. Der Grund für ein nochmaliges Abtauchen im Herbst könnte u.a. der sein, dass sich die Inflation doch nicht so stark zurückzieht, wie noch im Sommer 2023 erhofft. Die De-Globalisierung lässt grüßen. Die Erkenntnis, dass wir für mehrere Jahre mit einer negativen Realverzinsung leben müssen, wird dann heranreifen. Für Aktienmärkte ist dies letztendlich positiv zu werten, so dass diese dann im Herbst Richtung Jahresende wieder Tempo aufnehmen sollten. Schließlich begünstigt eine negative Realverzinsung die Flucht in Sachwerte, wie Aktien, Gold und Rohstoffe.

"Das sind meine Top-Favoriten für 2023"

2022 war ein schwieriges Jahr und das kommende Jahr wird sicherlich nicht viel einfacher! Aber 2023 ist ein US-Vorwahljahr und diese liefern statistisch überwiegend einen positiven Ertrag. Der typische Verlauf von Vorwahljahren wäre zunächst ein positiver Start mit einem Zwischentief im März, einem positiven zweiten Quartal, einer ausgedehnten Korrektur im Sommer und einem sehr starken letzten Quartal.

Unser Ziel für 2023 ist es, unsere Portfolios, um einige interessante Unternehmen aus verschiedenen Zukunftsbranchen zu erweitern. Das sind in erster Linie die Bereiche: Nachhaltigkeit wie Wind- und Solarenergie, Unternehmen, die sich mit dem Thema Recycling befassen, die Marktführer aus dem Bereich Medizintechnik und Gesundheitswesen und nicht zuletzt Digitaltechnologien für den Bereich Banken und Versicherungen sowie Infrastruktur. Der Kern der Portfolios wird weiterhin eine Reihe von Value-Aktien, wie z.B. Novo-Nordisk, Münchener Rück, Canadian Pacific Railway, Visa, Waste Connections bilden.

Zu unseren drei Top-Favoriten für 2023 zählen wir vor allem die Bereiche alternative Energien, Recycling und Rohstoffe. Während wir in den Bereichen alternative Energien und Recycling bereits nennenswert investiert sind, planen wir vor allem in Rohstoffe wie Gold, Silber oder Kupfer und in rohstoffverarbeitende Unternehmen zu investieren. Weitere gute Chancen sehen wir auch in Schwellenländern, allen voran Asien auf uns zukommen.

"Die Inflation hält uns weiter auf Trab"

Die zuletzt hohen Inflationsraten sind vergleichbar mit dem Gefühl, wenn ein Schuh drückt. Es sind nur kleine Impulse, die jedoch dauerhaft zu spüren sind. Durch die mittlerweile rasante Geldentwertung sahen sich die Zentralbanken gezwungen, die Leitzinsen anzuheben. Das, im Vergleich zur US-Notenbank, zögerliche Handeln der Europäischen Zentralbank und der Krieg in der Ukraine führte dazu, dass der Euro zusätzlich an Wert verloren hat. Diese beiden Einflüsse werden sich im Jahr 2023 noch deutlicher bemerkbar machen.

Durch den Abschied der Zentralbanken vom Niedrigzinsumfeld bleibt es für Unternehmen vorerst teurer sich zu refinanzieren und damit werden Wachstumswerte wie Technologieaktien weiter einen schweren Stand haben. Diese Unternehmen haben einen besonders hohen Bedarf an Fremdkapital. Neue Schulden zu machen (und auch zu haben) wird für sie teurer. Für einen Anstieg von Tech-Werten spricht jedoch, dass sie im letzten Jahr so stark gebeutelt wurden, wie zuletzt Anfang der 2000er Jahre. Einzelne Titel haben bis zu 90 Prozent an Wert verloren und waren ohne Frage vor der Korrektur zu teuer. Darunter sind jedoch auch Titel, die so stark abgestraft wurden, dass sich ein Einstieg durchaus wieder lohnen kann: Bei einer Investition in eine Aktie, die 50 Prozent Kursverlust erlitten hat, erzielt man wiederum 100 Prozent Kursgewinn bei der Rückkehr auf das vorherige Niveau. Das verdeutlicht, dass Bewertung und tatsächliches Wohlergehen der Unternehmen weit auseinanderliegen können.

Die Krisen in Europa und das entschlossenere Bekämpfen der Inflation von Seiten der USA führte dazu, dass der Euro im Vergleich zum US-Dollar zwischenzeitlich mehr als 15 Prozent einbüßen musste, was Aktien aus den USA für Europäer attraktiver gemacht hat. Das kann sich (und passiert in Teilen jetzt schon) im kommenden Jahr jedoch ins Gegenteil umkehren. Trotz steigender Kurse von US-Titeln steht dann, währungsbereinigt, ein viel geringerer Kursgewinn zu Buche. Diese Entwicklung sorgt jedoch zu einem voraussichtlich guten Jahr im Bereich der Rohstoffwerte. Gold und Silber dürften von der momentanen Lage überproportional profitieren, da diese in Dollar gehandelt werden. Die Lage wird aus den oben genannten und noch vielen weiteren Gründen sehr volatil bleiben und eine kompetente Hand, die aktiv das Depot führt, wird auch im kommenden Jahr von hoher Bedeutung sein.

"Der DAX birgt positive Überraschungen"

Wenn wir den primären Vier- und Achtjahreszyklus betrachten, sind die relevanten Bezugsjahre 2019 und 2015. So, wie 2022 strukturelle Ähnlichkeiten mit 2018 und 2014 aufwies, sollte 2023 also Ähnlichkeiten mit den Jahren 2019 und 2015 zeigen.
Aus diesen beiden Jahren lässt sich zunächst grob folgende strukturelle Entwicklung des DAX ableiten: zunächst ein überraschend positiver Start ins neue Jahr, beginnend mit einem markanten Tief, das im Idealfall in der letzten Woche des alten Jahres auftritt. Ein Kursanstieg in Richtung Sommer, gefolgt von einer scharfen Sommerkorrektur, die besonders die Monate Juli und August betrifft. Ein markantes Tief, das etwa Mitte August zu erwarten ist, gefolgt von einem neuerlichen Kursanstieg in Richtung Jahresende. Sekundärzyklen weisen darauf hin, dass es zwischen den Kalenderwochen acht (20. – 24. Februar) und zwölf (20. – 24. März) zu einem zwar kurzen, aber potenziell dynamischen Kursrücksetzer kommen kann. Im März wäre also mit einem wichtigen Tief zu rechnen.

Der Vier- und Achtjahrezyklus deutet darauf hin, dass das Börsenjahr 2023 trotz aller ökonomischen Widrigkeiten insgesamt positiv verlaufen könnte, bei gleichzeitig sehr hoher Volatilität und großen Schwankungen. Diese Entwicklung wäre auch in Einklang mit dem typischen Verlauf der US-Vorwahljahre, die gewöhnlich einen positiven Ertrag liefern. Ihr durchschnittlicher Verlauf ist geprägt von einem wichtigen Tief im März, einem deutlichen Kursanstieg von März bis Mitte Juli, einer sehr deutlichen Sommerkorrektur und einem markanten Tief Ende September, an dem eine massive Kursrallye beginnt, die bis Jahresende andauert.