Inflation: Auswirkungen auf den Aktienmarkt

Die Menschen in Deutschland müssen sich auf eine anhaltende Teuerungsrate einstellen. Ökonomen rechnen damit, dass sich die Inflation im April weiter über der Marke von 7 Prozent halten wird. Hohe Teuerungsraten schmälern die Kaufkraft von Verbrauchern, weil sich diese weniger leisten können. Der Ursprung der Teuerungsrate sind die stark gestiegenen Rohstoffpreise, die die Produktion von Produkten verteuert. Das müssen die Firmen an die Verbraucher weitergeben. Wie die Kaufkraft schmilzt, wenn die Inflation drei, vier, fünf oder sechs Prozent p.a. über zehn, 15 oder 20 Jahre anhält, zeigt die folgende Tabelle 1. Erschreckend: Selbst bei einer moderaten Inflationsrate von drei Prozent entspricht die Kaufkraft von nicht angelegten 100 t EUR in 20 Jahren nur noch der Kaufkraft der Hälfte, nämlich von 54.379 EUR. Und selbst nach zehn Jahren ist die Kaufkraft um ca. 25% zurückgegangen.

Tabelle 1: Inflationsberechnung
Tabelle 1: Inflationsberechnung

Und damit kommt die nächste Herausforderung: Wie soll man denn sein Geld anlegen, um wenigsten den Kaufkraftverlust wett machen zu können? Was den Aktienmarkt angeht, so wollen wir in diesem Beitrag eine Antwort darauf geben.

Stagflation voraus!

Wir rechnen in den nächsten Monaten mit einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums – also mit einer Stagnation. Gleichzeitig ziehen jedoch auch die Inflationsraten an. Diese stetige Geldentwertung dürfte uns noch bis weit ins Jahr 2023 begleiten. Beides miteinander gekoppelt ergibt eine Stagflation.

Oft wird Aktien die Fähigkeit zugeschrieben, die beste Investition in inflationären Phasen und damit quasi inflationsresistent zu sein. Langfristig und vor allem in hyperinflationären Phasen stimmt das zwar, aber nicht unbedingt kurz- bis mittelfristig. Zum einen hängt die Eigenschaft einer Inflationsresistenz der Aktienmärkte davon ab, wie die Zentralbanken in dieser Phase ihre Zinsen steuern (können), zum anderen gibt es bei Aktien grundsätzlich einen sogenannten Wohlfühlkorridor, in dem sich die Inflation aufhalten sollte, damit die Kurse insgesamt gut steigen können.
Dieser Wohlfühlkorridor liegt bei einer Inflationsrate von ca. 1,5 bis 3,5 Prozent. Liegt sie darüber oder darunter, ist das für den breiten Aktienmarkt tendenziell schlecht.

Auswirkungen der Inflation auf den Aktienmarkt

Die Hochschule RheinMain in Wiesbaden hat unter Leitung von Professor Dr. Markus Petry und Klaus Wurmbach eine empirische Analyse der Aktienmärkte und ihres Verhaltens in inflationären Phasen durchgeführt. Sie bestätigt: Hohe Inflationsraten wie während der Ölkrisen 1973 bis 1975 und 1980 bis Mitte 1982 sowie im Zeitraum Mitte 1991 bis Ende 1993 haben bei Aktien zunächst zu schlechten Kursentwicklungen geführt. Die folgende Tabelle 2 verdeutlicht das anhand des DAX:

Tabelle 2: Inflationsresistenz von Aktien
Tabelle 2: "Inflationsresistenz von Aktien", Hochschule RheinMain Prof. Dr. Markus Petry

In ihrer Analyse kommen Petry und Wurmbach aber auch zum Ergebnis, dass die Inflationsursache eine große Rolle spielt. Einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Inflation und Aktienkursbewegungen gibt es nämlich nicht – die Korrelation ist vielschichtig. Die aktuelle Inflation jedenfalls ähnelt der in Zeiten der Ölkrisen. Auch damals stieg der Ölpreis und sorgte für höhere Inflationsraten, die zu einer Verlangsamung der wirtschaftlichen Aktivitäten führten. Und auch damals wollte man sich in der Folge vom Öl unabhängiger machen und investierte vermehrt in regenative Energie und Kernkraft. Wir haben es also nicht mit einer normalen Inflation zu tun, bei der die Wirtschaft unter Dampf steht, sondern mit einer Inflation, während der sie sogar in eine Rezession oder zumindest Stagflation abgleiten könnte.

Der Aktienmarkt in Staglationsphasen

Auch Stagflationsphasen wurden unter die Lupe genommen, etwa von der Investmentgesellschaft Schroders. Ergebnis: Man muss sehr stark zwischen den einzelnen Unternehmen differenzieren. Eine Stagflation begünstigt eher Aktien defensiver Unternehmen, die Alltagsprodukte herstellen. Produkte also, die jeder ständig braucht, trotz Geldentwertung – etwa Lebensmittel. Und wenn die Firmen dann noch die Preisfestsetzungsmacht für diese Produkte besitzen, ist das umso besser für die Aktienkurse dieser Unternehmen. Bei diesen Aktien handelt es sich meist um dividendenstarke Titel, die in der Regel weniger schwanken als der breite Aktienmarkt. Es sind Unternehmen, die den Sektoren Versorger, Basiskonsumgüter, Energie und Immobilien angehören. Probleme bekommen in Inflationsphasen hingegen konjunkturabhängige Firmen aus den Bereichen IT, Kommunikation, Industrie und Finanzen.

Die Profiteure einer Stagflation sind eher in Europa anzutreffen als in den USA, wie die nachfolgende Tabelle verdeutlicht. Sie zeigt, wie sich welche Sektoren während einer Stagflation zwischen 1995 und 2021 entwickelt haben.

Tabelle 3: Annualisierte durchschnittliche Sektorrendite vs. MSCI World Index (seit 1995), in %
Tabelle 3: Annualisierte durchschnittliche Sektorrendite vs. MSCI World Index (seit 1995), in %

Wie gehen wir nun damit um?

Mit unseren Momentumstrategien setzen wir immer auf die Titel, deren Wertentwicklung steigt. Bereits seit einigen Monaten erkennen wir, wie eine Titel- und Sektorrotation stattfindet. Es könnte sogar sein, dass wir in wenigen Wochen eher in Titel aus den sich positiv entwickelnden Sektoren investiert sind. Somit wird es auch für uns interessant sein, wie sich unsere Strategien an die Stagflation anpassen werden.